Burma - Ein Reisebericht
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Loikaw

Hauptstadt im Abseits

Loikaw ist die Haupstadt des Bundesstaats Kayah. Da die Einwohner dieses Bundesstaats sehr kriegerisch und freiheitsliebend sind, bestehen hier weiterhin erhebliche Konflikte mit der Zentralregierung und die meisten Gebiete sind für Touristen gesperrt. Die Bevölkerung bezeichnet sich zu 70 % als christlich (vor allem Katholiken und Baptisten) und zu 30% als Buddhisten. Die ursprüngliche Naturreligion hat aber offensichtlich weiterhin einen deutlichen Stellenwert, sie fällt unter den Sammelbegriff der Nat-Verehrung.

 

Bis vor kurzem war es nur möglich, die Stadt Loikaw selbst zu besuchen und zwar mit dem Flugzeug, inzwischen konnten wir mit dem Boot über den Inle-See und den nach Süden anschliessenden Stausee bis Phae Khone und von dort aus mit dem Fahrzeug weiter nach Loikaw fahren. Angekommen in Phae Khone sind allerdings insgesamt 5 Behörden zu konsultieren, die Pässe und Special Permit kontrollieren.Die Bootsfahrt lohnt sich, man fährt an kleinen Dörfern vorbei, wir unterbrechen die Fahrt zum Besuch der Vorbereitungen auf ein Pagodenfest. Der Stausee ist von Wasserpflanzen nahezu (bei niedrigem Wasserstand) zugewachsen und das Boot gleitet durch die Vegetation.Noch ohne special permit erreichbar ist Sankar, eine alte Shan - Stadt, die zu grossen Teilen im See versunken ist, einschliesslich eines Teils der alten Pagode, von der einstigen Residenz ist nur noch ein kleines Dorf verblieben.

Kayah ist die Heimat vor allem von Karen mit verschiedenen Untergruppen, die bei uns bekannteste sind wohl die kleine Gruppe der Padaung, die sogenannten Giraffenhalsfrauen. Vor Ort sieht man nur noch wenige Frauen, die diese Tradition noch fortführen, und es bedarf etwas Einfühlungsvermögen und der Tatsache, dass unser Shan-Guide hier einige Leute kennt, um einige Fotos zu machen, ohne dass man das Gefühl hat, es handelt sich um eine Art Safari oder Menschenzoo (wie dies wohl in Thailand der Fall ist). Wer sich fotografieren lässt, erwartet auch ein Geldgeschenk (derzeitiger Tarif ca.1000 - 2000 Ky pro Frau), deswegen kommen, wenn man fotografiert, evtl. auch andere Frauen dazu, aber nicht jede will sich fotografieren lassen. Wenn eine Frau am Webstuhl arbeitet, unterbricht in der Regel auch nicht ihre Arbeit für ein Foto, sie gestattet aber meist das fotografieren. Aber im Gegensatz zu anderen Regionen gibt es hier keine jungen Frauen, die lediglich um dieses Gelderwerbs willen sich die Halsspiralen anlegen, es gibt kaum noch junge Frauen, die die Ringe tragen. Einige allerdings verdingen sich in Shops am Inle-See, wo sie früher nur als Foto-Objekte Touristen anlocken sollten, inzwischen ist es verboten, dass Padaung-Frauen am Inle-See allein auf das Einkommen durch die Zurschaustellung angewiesen sind, sie müssen als reguläre Mitarbeiterinnen angestellt werden und zum Beispiel auch handwerklich tätig sein. Inwieweit dies die Situation dieser Frauen gravierend verändert hat, kann ich nicht bezurteilen.

Bei den Ringen handelt es sich nicht eigentlich um Ringe, sondern um Spiralen, die in 2 Teilen zusammengesetzt werden, allein schon durch das Gewicht (ein Ring, den wir angehoben haben, wog geschätzt gut 2 kg, sicher nicht die teilweise angegebenen 9 kg) wird der Schultergürtel nach unten gedrückt und dadurch der Hals bei den ohnehin in der Regel recht zart gebauten Frauen optisch verlängert. Sicher erschlafft auch die Halsmuskulatur durch die Abstützung, aber es stimmt nicht, dass die Frauen ohne die Stütze nicht mehr exisieren können. Manche nehmen die Stütze irgendwann ab (und haben sicher dann eine lange Zeit, bis sie wieder sich ohne Probleme bewegen können) und wir selbst haben eine alte Frau besucht, die die Halsringe abgenommen hatte, weil sie wegen einer Krankheit das Bett hüten musste.

Webarbeiten werden an Handwebstühlen gefertigt, fast alle Frauen arbeiten daran. Als Alltagsgetränk gibt es ein aus Hirse und Reis gebrautes Bier, das auch die Kinder zu trinken bekommen, der Alkoholgehalt ist schwankend, je nachdem auch, ob mit dem Strohhalmder Bodensatz aus Maische in den Tonkrügen aufgestossen wird oder nur darüber abgetrunken.Der Geschmack erinnert am ehesten an tibetischen Chang.

Am Rande von Loikaw besuchen wir ein Nonnenkloster. Die Nonnen sind zum grossen Teil "auf Urlaub" bei ihren Familien. Das Kloster fungiert auch als Waisenhaus, ein kleines Kind wird von der Oberin betreut, auch von den Novizinnen sind einige Waisen. Die rosafarbenen Roben der Nonnen wurden eingeführt, weil die Nonnen mit rasierten Köpfen in gleicher Tracht häufig nicht von den Mönchen unterschieden werden konnten.
Auch im nahegelegenen Mönchskloster sind viele schon in Ferien, da sie ihre Prüfung bereits abgelegt haben, nach bestandener Prüfung werden weitere zu ihren Familen fahren, so dass nur noch ungefähr 40 Mönche in der Ferienzeit zurückbleiben. Jetzt treffen wir die, deren Prüfung noch bevorsteht, bem Lernen, das im Augenblick vor allem im Auswendiglernen der Sutren besteht. Während ihres Grundstudiums haben die Mönche 3 Prüfungen innerhalb von 3 - 10 Jahren abzulegen.Danach ist ein weiteres Studium zum "educated monk" möglich, um zum Beispiel einer Lehrtätigkeit nachzugehen. Die Leitung eines Klosters als Sayadaw ist aber unabhängig von einem so erworbenen Titel.

Etwas ganz besonderes ist der Nat-Tempel Kaik Toe Boe und Tagon Taing (es gibt noch weitere ähnliche). Als wir ankommen, sind fast alle Einwohner des Dorfes Tae Dama bei der Jagd im Wald anlässlich eines besonderen Jagdfestes. Während dieser Zeit ist das Betreten des Tempelgeländes verboten, da dadurch die Jagd gefährdet würde.Die Zugänge sind versperrt und werden von Kindern bewacht. Wohl dem, der jetzt einen Begleiter hat, der die örtlichen Bräuche kennt. Erstens, um nicht unwissentlich die Kinder einfach als lästig zu betrachten und zu ignorieren, und zweitens, um zu wissen, dass der Brauch es erlaubt, dass man das Verbot auch übertreten kann, wenn die Nats durch eine finanzielle Kompensation besänftigt werden.

Jedes Jahr wird auf einem umzäunten Areal eine neue Säule errichtet. Nur am jährlichen Fest darf der Bereich mit den Stelen von Frauen betreten werden, sonst in der Regel überhaupt nicht und wenn unbedingt notwendig nur von Männern.
Statuen von Nats oder Göttern findet man nicht, auch nicht in dem danebenstehenden Gebäude. Es besteht wohl ein Zusammenhang mit Vishnu, der vom Himmel gefallen ist, genau habe ich das allerdings nicht verstanden.Der Kult wird sowohl von Buddhisten wie auch von Christen ausgeübt,

Vom Taungwe Taung aus, einem von Pagodenbauten gekrönten gespaltenen Berg am Stadtrand hat man einen schönen Ausblick über Stadt und Gegend und kann den Sonnenuntergang geniessen.

Trekking oder sonstige Ausflüge ins Bergland zu den Dörfern der verschiedenen Karen-Völkern sind leider weiterhin nicht möglich. Nicht nur ist dies von der Regierungsseite her nicht erlaubt, auch von seiten der Einheimischen nicht empfehlenswert. Auch unser Shan-Guide, der dort Freunde hat, kann dort nicht hinreisen, da jeder Fremde als potentielle Bedrohung, sprich als potentieller Agent der bekämpften Regierung betrachtet und entsprechend behandelt wird.

Eine schöne Übersicht über die verschiedenen Völker der Karen kann man sich im Kayah State Museum verschaffen, hier sieht man vor allem die verschiedenen Trachten und Musikinstrumente.

Neben der Weberei in den einzelnen Familien gibt es auch grössere Webereien. Dort werden unter anderem auch die Stoffe für die Turbane der Pa O hergestellt, in der typisch orangen Farbe. Auf dem Weg dahin kommen wir auch an mehreren Betrieben vorbei, die Glasnudeln herstellen, die dann im Freien auf grossen Gestellen getrocknet werden.